Dr. Saal Dr. Hellwig Dr. Schmitz
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Unsere Praxis

Regelleistungsvolumina der ersten beiden Quartale 2010

Regelleistungsvolumen 1. Quartal 2010 (pdf)

Regelleistungsvolumen 2. Quartal 2010 (pdf)

Nicht nur im Krankenhaus, wo man sich mittlerweile schon daran gewöhnt hat, dass es „Erster“ und „Zweiter Klasse“ gibt, auch im ambulanten Bereich werden Sie immer öfter gefragt, ob Sie privat- oder kassenversichert sind. Diese Zweiteilung hat in Deutschland eine lange Tradition und ist politisch gewollt. Solange die verfügbaren Mittel für eine angemessene Versorgung ausreichten, war diese Unterscheidung für die gesetzlich versicherten Patienten nicht so deutlich spürbar. Das hat sich in den letzten Jahren erheblich geändert. Alle Regierungen, egal welcher Couleur, haben verzweifelt versucht mit einer „großen Gesundheitsreform“ diesem Problem zu begegnen – alle sind kläglich gescheitert. Das Problem ist vielschichtig und kompliziert: Die Menschen werden älter – und damit naturgemäß häufiger und schwerer krank. Die Medizin wird besser und damit leben kranke Menschen sehr viel länger als dies noch vor einigen Jahren möglich war. So hat beispielsweise ein Diabetiker heute eine nahezu normale Lebenserwartung, viele Krebserkrankungen sind heilbar geworden und auch HIV ist von einer tödlichen zu einer chronischen Erkrankung geworden. All dies sind hervorrangende Errungenschaften der Medizin – aber sie kosten Geld, teilweise sehr viel Geld. Es ist ethisch nicht vertretbar kranken Menschen eine optimale medizinische Versorgung vorzuenthalten. Andererseits ist ein „immer mehr“ an medizinischer Leistung irgendwann für die Gesellschaft nicht mehr finanzierbar. Dann muss entschieden werden, was von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. Dies ist eine politische Entscheidung und muss vom Gesetzgeber, unseren gewählten Volksvertretern in den Parlamenten, getroffen werden. Eine dringend notwendige offene Diskussion über die Situation des Gesundheitswesens in Deutschland wird jedoch von allen Parteien strikt vermieden – denn die Wahrheit zu sagen würde viele Stimmen kosten und wäre politischer Selbstmord. So war jede der „großen Gesundheitsreformen“ in der Vergangenheit nichts anderes als der verzweifelte Versuch sich über die nächste Wahl zu retten. Eine Rationierung medizinischer Leistungen wurde von jeder Regierung strikt geleugnet – aber sie ist längst Realität! Sehen wir uns die real existierende ambulante kassenärztliche Versorgung einmal am Beispiel unserer Praxis an: Ein gesetzlich versicherter Patient hat Anspruch auf medizinische Leistungen, die auf Kosten der Krankenkasse vom Arzt erbracht werden (Sachleistungsprinzip). Die Versicherung ist der Vertragspartner des Arztes. Weil es für den einzelnen Arzt vollkommen unmöglich ist mit weit über hundert verschiedenen Krankenkassen Verträge abzuschließen, ist als weitere Verwaltungsinstanz die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zwischengeschaltet. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts legt diese in Absprache mit den gesetzlichen Krankenkassen und nach Vorgabe des Gesetzgebers (Sozialgesetzbuch (SGB)V) die Menge der Behandlungsleistungen fest, die als angemessen gilt (Regelleistungsvolumen (RLV)1). Im konkreten Fall heißt dies, dass wir am Anfang des Quartals von der KV eine Mitteilung bekommen, wie viele medizinisch Leistungen wir zu regulären Konditionen erbringen dürfen.2, 3 Diese Regelung ist für den einzelnen Kassenarzt verbindlich. Erbringen wir mehr als diese festgelegte Menge, so machen wir uns einer „übermäßigen Ausdehnung der Tätigkeit des Vertragsarztes“ (SGB V § 85) schuldig und für diese „übermäßig“ erbrachten Leistungen erfolgt eine Honorarkürzung von weit über 90%! Mit der Leistungsmenge ist damit naturgemäß auch die Zahl der Patienten begrenzt . Dennoch behandeln wir nach Auffassung von KV, Kassen und Politik noch zu viele Kassenpatienten und unser Honorar wurde entsprechend gekürzt. Wie dies konkret aussieht verdeutlichen die Zahlen der beiden letzten abgerechneten Quartale: Im 1. Quartal 2010 hatten wir für unsere gesamte Praxis, für alle drei Ärzte zusammen, ein RLV von 34.402,- €. In diesem Zeitraum haben wir für 2.350 Patienten Behandlungsleistungen in Höhe von 53.010,- € erbracht, das sind 54% über unserem RLV. Es wurde demzufolge eine Honorarkürzung wegen „ungerechtfertigter Leistungsmengenausweitung“ – also zu viele behandelte Patienten und/oder zu viel Behandlung - in Höhe von 17.157,- € vorgenommen. Es kamen 35.853,- € zur Auszahlung, dies entspricht 15,26 € pro Patient. Die Zahlen für das 2. Quartal 2010 waren ähnlich: RLV 35.616,- €, 2.404 Patienten, Leistungen für 50.628,- € erbracht (42% über RLV), Honorarkürzung von 13.571,- €, Auszahlung von 37.057,- €, entspricht 15,41 €/Pat. Ganz anders ist die Situation bei privat versicherten Patienten. Hier ist der Patient selbst unser Vertragspartner und bestimmt welche Leistungen er von uns wünscht - eine Beschränkung der Leistungsmenge oder der Zahl der Patienten gibt es hier nicht. Er begleicht die Kosten für die Behandlung und erhält sie von seiner Krankenversicherung erstattet (Kostenerstattungsprinzip).

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1 Vorsorgeuntersuchungen, große Operationen und Laborleistungen unterliegen zur Zeit noch keiner Mengenbegrenzung und werden zusätzlich zum RLV vergütet

2 Von Politik und Medien wird die KV zumeist für die Misere verantwortlich gemacht. Die Einflussmöglichkeiten der KV auf die Vertragsgestaltung sind jedoch aufgrund gesetzlicher Einschränkungen außerordentlich gering

3 Hinzu kommt noch das Honorar für die Leistungen, die keiner Mengenbegrenzung unterliegen siehe 1