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atopisches Ekzem

Patienteninformation zum atopischen Ekzem

Das atopische Ekzem - oft wird auch die Bezeichnung Neurodermitis verwendet - beruht auf einer erblichen Veranlagung.
Dabei ist die Haut zumeist nicht wirklich krank, sie weist jedoch eine herabgesetzte Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren und inneren Einflüssen auf. Daneben besteht oft eine Neigung zu allergischen Reaktionen.
Bei Patienten mit atopischem Ekzem ist die Reaktion der Haut auf verschiedene Reizeinflüsse sehr unterschiedlich. Für Sie gilt es herauszufinden, welche der folgenden Punkte von besonderer Bedeutung für Sie sind.

Regelmäßiges Eincremen

Beim atopischen Ekzem besteht in der Regel ein erblich bedingter Fettmangel der Haut. Insbesondere in den Herbst- und Frühjahrsmonaten kommt es hierdurch zu einer verstärkten Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen. Sehr wichtig ist daher regelmäßiges Eincremen (möglichst oft, aber nicht zu dick!) mit rückfettenden Cremes und Salben (z. B. Excipial U Lipolotio, Lipoderm, Eucerin für trockene Haut, Xeroderm oder Lipikar von Roche Posay, Trixera von Arene o. ä.). Nehmen Sie bei Kindern bitte keine Harnstoff (Urea) haltenigen Salben. Probieren Sie aus, welche Salbe oder Creme für Sie die Beste ist. Beachten Sie, dass im Winter meist fettere Salben benötigt werden als im Sommer und dass bei stark entzündeter Haut fettere Salben nicht so gut vertragen werden.
Das Eincremen von Kindern ist mitunter ein abenteuerliches Unterfangen. Nehmen Sie sich Zeit hierfür! Sprechen Sie mit ihrem Kind über die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Versuchen Sie das Eincremen spielerisch zu gestalten, bleiben Sie aber hartnäckig, denn gerade bei Kindern mit atopischem Ekzem ist das Eincremen unverzichtbar. Vergessen Sie nicht, dass für ein Kleinkind die körperliche Berührung eine wesentlich größere Bedeutung hat als für uns Erwachsene. Die Körperpflege des Kindes hat einen großen Stellenwert in der zwischenmenschlichen Beziehung zu den vertrauten Personen.

Hautreinigung

Die Hautreinigung sollte sehr schonend erfolgen. Waschen Sie sich und Duschen Sie nicht zu oft! Verwenden Sie möglichst nur lauwarmes Wasser (heißes Duschen verstärkt den Juckreiz!). Verwenden Sie zur Reinigung ausschließlich "seifenfreie Seifen", sog. Syndets oder Duschölbäder (z. B. Balmandol Ölbad, Eubos Cremeölbad, Eucerin-Cremeduschöl, Cetaphil).
Nach jedem Waschen sollten Sie sich vorsichtig abtrocknen, das heißt abtupfen statt trockenreiben oder –rubbeln. Nach dem Duschen sollten Sie sich eincremen.

Ernährung

Beim atopischen Ekzem oder der Neurodermitis handelt es sich meist nicht um eine Nahrungsmittelallergie! Die Ernährung spielt jedoch eine ganz wesentliche Rolle und verschiedene Nahrungsmittel können den Verlauf der Erkrankung verschlimmern oder einen Ekzemschub auslösen. Vermeiden Sie möglichst Zitrusfrüchte, Vitamin C, Zitrussäfte, Frischmilch und Weizenmehl. Schränken Sie Milchprodukte und Süßigkeiten ein. Ansonsten essen Sie, was Ihnen schmeckt. Sie merken selbst was Ihnen bekommt. Auch hier kann keine pauschale Empfehlung gegeben werden. Nicht vergessen werden sollte, dass möglicherweise gleichzeitig eine echte Nahrungsmittelallergie, z. B. auf Hühnereiweiß, Nüsse oder Fisch bestehen kann; die sich jedoch meist durch eine andere Symptomatik äußert.
Kinder sollten möglichst bis zum 6. Lebensmonat gestillt werden. Während dieser Zeit sollte die Mutter auf o.g. Nahrungsmittel verzichten. Anschließend ist es ratsam hypoallergene Kost zuzufüttern. Im ersten Lebensjahr sollte auf Frischmilch, Fisch, Ei und Nüsse verzichtet werden.

Klimatische Einflüsse

Sonne und Wind fördern den Heilungsprozess des atopischen Ekzems. Große Hitze, die zum Schwitzen führt, sollte dagegen gemieden werden. Berücksichtigen Sie dies auch bei der Wahl des Urlaubsortes. Verbringen Sie Ihren Sommerurlaub möglichst an der See oder im Hochgebirge. Längerer Aufenthalt (4 Wochen oder mehr) an einem günstigen Urlaubsort kann zu einer stabilen Beruhigung des Hautzustandes und zu Beschwerdefreiheit führen. Diesen Effekt macht man sich auch bei einer Klimaheilbehandlung zunutze.

Kleidung

Tragen Sie keine Kleidung aus Schafwolle oder anderen tierischen Materialien (auch keine Schafschurwolle im Bett von Säuglingen!). Verwenden Sie luftige Kleidung aus Baumwolle oder Leinen.
Windeln sollten bei Säuglingen und Kleinkindern möglichst oft gewechselt werden. Stoffe dürfen auf der Haut nie reiben oder kratzen.
Tragen Sie möglichst (offene) Leder- oder Leinenschuhe.

Wohnung

Bei Patienten mit atopischem Ekzem besteht gleichzeitig eine erhöhte Bereitschaft zu allergischen Reaktionen. Dies sollte bei der Gestaltung des Wohnraumes Berücksichtigung finden. Verwenden Sie bitte Bettdecken und Kissen ohne Federn und Haare, sowie keine Rosshaarmatratzen. Ebenso sind Teppiche aus Tierhaaren zu meiden. Ersetzen Sie Spieltiere Ihrer Kinder, die Tierhaare enthalten. Beseitigen Sie unnötige Staubfänger. Die Raumtemperatur im Schlafzimmer sollte niedrig sein. Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften. Achten Sie auf Schimmelpilzbefall und sanieren Sie gegebenenfalls die betroffenen Räume. Rauchen in der Wohnung schadet hautempfindlichen Säuglingen und Kleinkindern –und nicht zuletzt Ihnen selbst!
Bei der Wahl von Haustieren sollte ebenfalls die mögliche Auslösung einer Allergie bedacht werden. Sehr häufig entwickelt sich eine Tierhaarallergie auf Katzen, Goldhamster, Meerschweinchen oder auch Vögel.
Stellt sich eine solche Allergie ein, ist es zumeist unumgänglich das liebgewordene Haustier aus der Wohnung zu verbannen.
Bedenken Sie dies bitte, bevor Sie ein Tier anschaffen.

Haut und Psyche

Bereits die Bezeichnung Neurodermitis (neuro = Nerv, dermitis = Hautentzündung) deutet auf den engen Zusammenhang zwischen psycho-vegetativem Nervensystem und den Hautreaktionen hin. Allgemein kann gesagt werden, dass Stress und seelische Anspannung den Hautzustand verschlechtern und den Juckreiz fördern. Oft sind psychische Faktoren Auslöser eines Krankheitsschubes. Dabei sind es gerade unbewusste Dinge, die für den Einzelnen nicht direkt erkennbar sind, die zu einer seelischen Belastung führen und zum Auftreten der Hauterkrankung beitragen können. Sollte Sie etwas bedrücken, so sprechen Sie darüber mit uns, Ihrem Hausarzt, oder einem Vertrauten.
Nicht zuletzt führt auch die Erkrankung selbst, aufgrund ihrer kosmetischen Beeinträchtigung oder des starken Juckreizes, zu seelischen Spannungen. Hier sind Entspannungsübungen (z. B. autogenes Training, Qigong) von großem Nutzen.
Der Umgang mit neurodermitiskranken Kindern gestaltet sich oft besonders schwierig. Hier wird das gesamte Familienleben durch die Erkrankung des Kindes erheblich beeinflusst. Es ist notwendig auch diese psychischen und sozialen Faktoren bei der Krankheitsbehandlung und –bewältigung zu berücksichtigen.
Das manchmal regellose Auftreten der Erkrankung ohne erkennbaren Grund und die oft schwierige therapeutische Beeinflussbarkeit lösen Hilflosigkeit und Ärger aus. Geduld und Gelassenheit sind dann nur schwer zu bewahren, der Heilungsversuch mit der therapeutischen Brechstange birgt jedoch mehr Gefahren als Nutzen.

Informationsmöglichkeiten und Medien

Eine unglaubliche Fülle von Publikationen über Ursachen und Therapiemöglichkeiten des atopischen Ekzems, bzw. der Neurodermitis verwirren Patienten und Ärzte. Neben einer Unzahl von rein spekulativen Therapieansätzen, die teils aus ideologischer, teils aus wirtschaftlicher Motivation entstanden sind, gibt es durchaus ernstzunehmende und hilfreiche alternative Heilmethoden. Selbst die Schulmedizin bietet keine einheitliche Lehrmeinung. Es kann aber als bewiesen gelten, dass das atopische Ekzem ein multifaktorielles Geschehen ist, d.h. alle o.g. Faktoren am Krankheitsgeschehen beteiligt sind. Dies ist jedoch im Einzelfall in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß der Fall. Man muss individuell entscheiden ob Psyche, Ernährung, Erbanlagen oder äußere Reizeinflüsse im Vordergrund stehen.
Unsere dringende Empfehlung ist: lassen Sie sich nicht verwirren und beunruhigen. Suchen Sie sich einen kompetenten Arzt, zu dem Sie Vertrauen haben. Dies muss nicht heißen, dass die Behandlung ausschließlich schulmedizinisch erfolgen sollte, auch alternative Heilmethoden haben ihren Platz in der Neurodermitistherapie.
Bei schweren und langfristigen Krankheitsverläufen empfehlen wir darüber hinaus den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, die bei der Krankheitsbewältigung hervorragende Dienste leisten kann.
Dieses Merkblatt kann lediglich einen allgemeinen Überblick bieten.
Welche Punkte für Sie oder Ihr Kind von besonderer Bedeutung sind, muss durch sorgfältige Beobachtung und Untersuchung herausgefunden werden.